Die Pflege: Schlechte Bedingungen und Gewalt!?

Die Pflege: Schlechte Bedingungen und Gewalt!?

Gewerkschaftsumfrage zeigt schlechte Arbeitsbedingungen in der Alten- und Krankenpflege

In der Alten- und Krankenpflege herrscht massiver Zeitdruck und es gibt viel zu viel Arbeit im Vergleich zu anderen Berufsgruppen. Das geht aus einer repräsentativen Beschäftigtenbefragung zu den Arbeitsbedingungen in der Alten- und Krankenpflege hervor, die heute von ver.di und dem DGB vorgestellt wurde. 80 Prozent der Krankenpflegerinnen und – pfleger und 69 Prozent der Altenpflegerinnen und -pfleger fühlen sich bei der Arbeit oft gehetzt, in den anderen Berufsgruppen sind es nur 55 Prozent. 49 Prozent in der Krankenpflege und 42 Prozent in der Altenpflege müssen gegenüber nur 22 Prozent in allen Berufsgruppen „häufig Abstriche bei der Qualität“ machen, um ihre Arbeit überhaupt zu schaffen. Nur rund ein Fünftel der Beschäftigten in der Pflege kann sich vorstellen, unter diesen Bedingungen bis zur Rente zu arbeiten. Dazu erklärt Bernd Riexinger, Vorsitzender der Partei DIE LINKE:

Die Ergebnisse der Gewerkschaftsumfrage sind dramatisch. Es ist kein Wunder, dass immer weniger Menschen bereit sind, diese schlechten Arbeitsbedingungen zu ertragen. Dabei leisten die Beschäftigten in der Altenpflege und in den Krankenhäusern wertvolle und unverzichtbare Arbeit. Ich verstehe nicht, warum wir Menschen, die sich um unsere Alten, Kranken oder Kinder kümmern viel schlechter behandeln und bezahlen, als Menschen, die sich um unser Geld kümmern.

DIE LINKE setzt gemeinsam mit der Gewerkschaft ver.di und den Beschäftigten den Pflegenotstand auf die Tagesordnung, um für bessere Arbeitsbedingungen in der Alten- und Krankenpflege zu kämpfen. Im Mai hat DIE LINKE deshalb ihre Kampagne „Menschen vor Profite – Pflegenotstand stoppen“ gestartet.

Um den lebensbedrohlichen Pflegenotstand zu stoppen, braucht es 100.000 Pflegekräfte mehr in den Krankenhäusern. Außerdem setzt sich DIE LINKE für eine schnelle Einführung einer gesetzlichen Personalbemessung im Krankenhaus ein.

Wir brauchen wir eine Ausbildungsoffensive in der Pflege. Es gibt gegenüber den frühen neunziger Jahren heute rund zehn Prozent weniger Ausbildungsplätze, das sind tausende Pflegekräfte weniger pro Jahr, obwohl der Bedarf gestiegen ist. Die Krankenhäuser müssen verpflichtet werden, sofort zehn Prozent mehr Ausbildungsplätze anzubieten, das wären 8 000 zusätzliche Pflegekräfte mehr im Jahr. Diese Quote soll in den kommenden 5 Jahren auf 20% erhöht werden.

DIE LINKE fordert ein Sofortprogramm für die Altenpflege. In der Altenpflege fehlen 40 000 Stellen. Die laut Gesundheitsminister Jens Spahns Pflegepersonalstärkungsgesetz geplante Teilfinanzierung für 13.000 zusätzliche Fachkräfte reicht längst nicht aus. Um den erheblichen Rückstand durch schnellen Aufwuchs der Stellen und bessere Bezahlung zu erreichen, sind im Jahr sechs Milliarden Euro notwendig. Eine Anschubfinanzierung kann aus den aktuellen Haushaltsüberschüssen geleistet werden. Auch für die stationäre Altenpflege braucht es sofort vorläufige gesetzliche Regelungen zur Personalbemessung. Der Pflegemindestlohn in der Altenpflege muss auf 14,50 Euro angehoben werden. Und es muss sichergestellt werden, dass die Pflegekräfte tariflich bezahlt werden.

Kein Widerstand in der Altenpflege

Personalmangel, hoher Krankenstand, schlechte Bezahlung: In der Pflege sind vielerorts Missstände zum Normalzustand geworden. Darunter leiden sowohl Beschäftigte als auch Bewohner. TV-Formate, die skandalöse Praktiken in der Branche aufdecken, sorgen kurzzeitig für Empörung. Ändern tut sich jedoch nichts.

Die Missstände in der Pflege sind bekannt. Warum regt sich nicht mehr Widerstand?

Die Altenpflege ist politisch verschlafen. Und in den einzelnen Einrichtungen existieren nur selten Betriebsräte, die die Interessen der Pflegekräfte vertreten. Im Rahmen meiner Forschung habe ich Interviews mit Pflegenden geführt. Nur Wenige sind gewerkschaftlich aktiv. Ohnehin genießen traditionelle Formen des Arbeitskampfes wie Streiks in der Pflege einen schlechten Ruf. Viele meiner Interviewpartner wünschen sich, dass Vorgesetzte und Kollegen an einem Strang ziehen, um das hohe Arbeitspensum zu bewältigen.

Es stimmt also, dass die Pflege unter ihrem Helfersyndrom leidet?

Der Begriff ist problematisch. Pflegekräfte springen ein, weil sie wissen: Wenn ich mich weigere, gefährde ich Bewohner und Kollegen. Dann haben sie noch mehr Stress, Senioren liegen länger in ihren nassen Windeln, Wunden werden schlechter versorgt und es bleibt noch weniger Zeit, um mit den Bewohnern zu sprechen und nach ihren Bedürfnissen zu fragen. Das Pflegesystem baut darauf, dass Pflegende einspringen, wo immer Not ist. Diesem strukturellen Druck stehen Individuen oft machtlos gegenüber.

Ein Grund mehr, sich zu organisieren

Das ist nicht so leicht. Wenn Pflegekräfte sich organisieren wollen, reagieren Arbeitgeber häufig mit repressiven Taktiken. Sie übergehen Betroffene bei Beförderungen, versetzen sie in andere Teams, verlängern Verträge nicht oder hetzen die Kollegen auf. Da überlegen Mitarbeiter sich zweimal, einen Betriebsrat zu gründen. Von den großen Gewerkschaften war lange keine Unterstützung zu erwarten. Diese haben sich auf klassische Männerberufe konzentriert. Die Pflege als frauendominiertes Berufsfeld wurde nicht ernstgenommen. Zum Glück findet langsam ein Umdenken statt.

Wie kann es sein, dass die größte Berufsgruppe in Deutschland so wenig politisches Kapital besitzt?

Pflegekräfte sind nicht nur schlecht organisiert, sie sind mit einer zerklüfteten Arbeitgeber- und Tariflandschaft konfrontiert. Neben den Tarifverträgen, die nicht überall existieren, wirken sich besonders die Pflegesätze auf die Arbeitsbedingungen in der Pflege aus. Die Sätze werden seit Einführung des Pflegeversicherungsgesetzes 1995 zwischen den Trägern, den Pflegekassen und den Sozialhilfeträgern vereinbart: Für jede Einrichtung gesondert im Voraus. Grundsätzlich sind keine Vertreter der Beschäftigten bei diesen Verhandlungen vorgesehen.

Gibt es in anderen Pflegeumfeldern mehr Widerstand?

In der Krankenpflege existieren grundsätzlich bessere Voraussetzungen für Arbeitnehmer, um sich zu wehren. 2015 haben Pflegekräfte erfolgreich die Charité in Berlin bestreikt. Ziel des Streiks war nicht mehr Geld, sondern mehr Personal. Das Pflegepersonal hat den OP-Bereich bestreikt und systematisch Betten nicht belegt. Das Krankenhaus erlitt dadurch innerhalb kürzester Zeit hohe finanzielle Einbußen. Leider lässt sich diese Taktik in Seniorenheimen kaum anwenden, da es einen vergleichbar wirtschaftlich relevanten Bereich dort nicht gibt.

Und in der Altenpflege? Gibt es dort auch positive Beispiele?

Ja, auch in der Altenpflege streiken Beschäftigte. Allerdings müssen die Voraussetzungen stimmen. In Hamburg haben Pflegekräfte beispielsweise erfolgreich einen großer Träger mit 13 Einrichtungen bestreikt. Sie hatten Erfolg, weil dieser Träger mit all seinen Einrichtungen ursprünglich in städtischer Hand war. Dadurch existierten etablierte Betriebsräte und unter dem Personal waren überdurchschnittlich viele Gewerkschaftsmitglieder. Außerdem hat sich der Träger auf Notdienstvereinbarungen eingelassen. So konnten die Pflegekräfte streiken, ohne das Wohl der Bewohner zu gefährden.

Welche Lektion ziehen Sie daraus?

Der klassische Arbeitskampf funktioniert in der Pflege nur bedingt. Die Gewerkschaften müssen sich daher neue Formen von Widerstand ausdenken. Über das Internet und die sozialen Netzwerke lässt sich beispielsweise öffentlicher Druck auf Heimbetreiber aufbauen. Letztlich wird die Pflege das nicht alleine schaffen. Angehörigen sowie Bürger müssen das Anliegen unterstützen. Schließlich betrifft das Thema Pflegequalität uns alle. Es gilt also breite Bündnisse aufzubauen und der Pflege eine Lobby zu verschaffen.

Gewalt in der Pflege – Warum werden Pfleger und Patienten gewalttätig?

Gewalt in der Pflege – ein wichtiges Thema, was immer präsent ist. Egal ob Pfleger/in oder Pflegebedürftige/r, es kommt vor, und das leider nicht gerade selten, dass jeweils Gewalt gegenüber der anderen Partei ausgeübt wird und dies kann nicht nur körperliche, sondern auch seelische Folgen haben, für beide Seiten.

Gewalt in der Pflege hat viele Gesichter

Konkretisiert werden die Formen von Gewalt in der Pflege in fünf Kriterien unterteilt, unter Anderem körperliche Gewalt, psychische Gewalt, Vernachlässigung, finanzielle Ausnutzung und intime Übergriffe. Jede dieser Arten ist für die betroffene Person zurecht belastend.

Gewalt gegenüber Pflegebedürftigen

Pflegerinnen und Pfleger besitzen Verantwortung und sollten sich bewusst sein, dass sie durch ihre Worte und Taten durchaus in der Lage dazu sind, Patient/innen nachhaltig zu verletzen. Pflegebedürftige sind kaum in der Lage sich zu wehren und sind von ihren Pfleger/innen abhängig. Die Pfleger/innen können ihren Patient/innen durchaus körperliche Schäden zufügen, indem sie diese zu fest anfassen, schlagen, kratzen oder zu grob mit ihnen umgehen.

Die Möglichkeiten, jemandem psychisch zu schaden, sind endlos. Eine Person mental zu verletzen kann passieren, indem man sie respektlos behandelt, beispielsweise nicht anschaut, wenn man mit einem Hilfebedürftigen spricht, abfällig mit und über ihn spricht, ihn anschreit und beleidigt.

Eine pflegebedürftige Person zu vernachlässigen, kann passieren, indem man die notwendigen Medikamente nicht verabreicht, medizinische Versorgung vorenthält, nicht genügend körperlich pflegt, Nahrung und Flüssigkeit vorenthält, Schmerzen ignoriert, bei Alltagssituationen nicht behilflich wird oder keinerlei Wertschätzung entgegengebracht wird.

Den Patienten finanziell auszunutzen ist ebenfalls nicht unbekannt, dies geschieht, indem man erpresst, unbefugt auf das persönliche Vermögen zugreift oder Wertgegenstände oder Geld entwendet.

Gewalt in Form von intimen Übergriffen, reicht vom Brechen der Privatsphäre, indem man beispielsweise Briefe unbefugt öffnet, bis hin zu sexueller Belästigung, erzwungener Intimkontakte und Verletzung der Intimsphäre und der Schamgefühle. Wird ein solches Verhalten gegenüber Pflegebedürftigen ausgeübt, kann sich dies auf die Psyche der Person auswirken. Anzeichen dafür wären etwa schreckhaftes Verhalten, Schlaflosigkeit, Verwirrung oder Aggressivität.

Gründe für solches Verhalten von Pflegern können unterschiedlich sein, doch letztlich geht es um die Summe mehrerer Faktoren die ausschlaggebend sind.

Darunter gehört zum Beispiel die hohe Verantwortung mit der man nicht zurecht kommt, die Freizeit die einem geraubt wird, das Preis-Leistungs-Verhältnis, da man eventuell zu viel für zu wenig Geld arbeitet – was leider in dem Beruf als Pflegekraft sehr häufig vorkommt. Doch nicht nur im beruflichen Sinne kommt dies vor, sondern ebenfalls im privaten Haushalt, wo beispielsweise plötzlich Kinder für Eltern sorgen müssen. Dies sorgt für ein Ungleichgewicht und kann belastend sein, für Hilfebedürftige wie auch Pfleger.

Gewalt gegenüber Pflegern

Gewalt kann nicht nur von Seite der Pfleger kommen, sondern auch von Patienten. Ob im Krankenhaus, Heim oder ambulanten Dienst können Pfleger den Tag mit Aggressionen und Gewalt ihnen gegenüber erleben. Drohungen, Beleidigungen, körperliche Gewalt und sexuelle Belästigung sind Verhaltensweisen von Patienten die immer öfter vorkommen.

Aggressivität hat einen Grund

Gründe für das beschriebene Verhalten können sein, dass sie mangelnde Akzeptanz gegenüber der persönlichen Pflegesituation empfinden. Fremdbestimmung, Vereinsamung sowie auch Verzweiflung oder körperliche Schmerzen können ebenfalls gewalttätiges Verhalten verursachen. Es ist deshalb für den /die Patienten/in schwer sich dem eigenen Schicksal bewusst zu werden. Wenn man nur mit Unterstützung in den einfachsten Lebenssituationen zurechtkommt, kann das den Patienten verletzen und dieser Frust kann in Form von aggressivem Verhalten gegenüber naheliegenden Personen ausgelassen werden.

Wird solches Verhalten gegenüber Pflegern ausgeübt, ist dies daran zu erkennen, dass sie ein angespanntes, überfürsorgliches oder überkontrollierendes Verhalten gegenüber der pflegebedürftigen Person vorweisen, stark abwehrend sind und widersprüchlich auf Fragen nach Verletzungen antworten.

Was sollte man tun?

Als pflegebedürftige Person ist es schwer mit eigenen Kräften etwas gegen das aggressive Verhalten zu tun, deshalb ist es besonders wichtig, seelischen Beistand zu leisten.

Doch als Pfleger sollte man, sobald man eindeutige aggressive Verhaltensweisen vorweist, handeln. Dies ist möglich indem man, wenn man Wut verspürt den Raum verlässt, ruhig wird und tief ein- und ausatmet und den seelischen Frust mit ausführlichen Gesprächen auslässt, oder im Zweifelsfall nach professioneller Hilfe sucht.

Als aussenstehende Person ist es ebenso wichtig zu handeln, da objektiv besser zu beurteilen ist, ob man gewisse Grenzen überschreitet oder nicht.

 Quellen / Links:
https://gesichtzeigen.digital/home/?p=341

https://www.die-linke.de/start/nachrichten/detail/gewerkschaftsumfrage-zeigt-schlechte-arbeitsbedingungen-in-der-alten-und-krankenpflege/

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